Mängel

Achtung Mogelpackung: Wenn der schöne Schein trügt

Besonders fachfremde Personen gehen der Außenoptik oft auf den Leim, ohne über die inneren Werte ausreichend Bescheid zu wissen. Dass der Rat eines Experten Gold sein kann, zeigt das Beispiel eines alten T1 Bulli, der ab morgen auf der Techno Classica in Essen zu sehen sein wird.

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Auf den ersten Blick hat der Bulli aus dem Jahr 1966 eine recht gute Optik. Wer genauer hinschaut, merkt aber, was bei dem Fahrzeug nicht stimmt. 

Die Optik lässt die Herzen von Oldtimer-Fans höher schlagen. Der T1 aus dem Jahr 1966 macht mit seiner weiß-blauen Lackierung ganz schön nostalgisch. Von weitem zumindest. Bei näherem Hinsehen zeigt sich: Das Fahrzeug ist eine Mogelpackung sondergleichen. Denn aus der Nähe zeigt sich, dass der schöne Schein trügt - und beim Blick unters Blech erst recht. Das Fahrzeug, von dem die Rede ist, steht auf der Techno Classica in Essen vom 10. bis 14. April am Stand von Dekra in Halle 3.

Unter dem Motto „Außen hui, innen pfui“ zeigen die Experten, warum sich auch bei vermeintlich gut restaurierten Klassikern ein genauerer Blick lohnt. „Bei der Restaurierung dieses T1 wurde viel Aufwand für ein gutes äußeres Erscheinungsbild betrieben. Die Bearbeitung der Oberflächen und der Lack erzeugen auf den ersten Blick eine recht gute Optik“, erklärt Andreas Lahne, Koordinator der Dekra Classic Services, der kein gute Haar an dem alten Bulli lässt. „Wer genauer hinschaut, merkt aber, was bei dem Fahrzeug alles im Argen liegt - und das ist eine ganze Menge.“

© Dekra

Ein Blick unter das (vermeintlich) schöne Blechkleid lässt erschaudern... 

Schon die Messung der Lackschichtdicke zeigt, dass etwas nicht stimmt. Der Einsatz einer Wärmebildkamera nach dem Prinzip der Thermografie macht es sichtbar: Auf den Karosserieseitenteilen wurde ordentlich Spachtel aufgetragen. Bis zu fünf Millimeter über dem Karosserieblech ist an aufgetragenem Material messbar. „Fazit: Die Karosserieteile wurden nicht vollständig sach- und fachgerecht restauriert“, so Andreas Lahne.

Auch auf der Hebebühne gibt es keinen erfreulichen Anblick. „Dass der Unterboden mit nicht fahrzeugtypischen Blechen alles andere als authentisch restauriert wurde, ist die eine Sache. Hinzu kommt: Da hat jemand nicht fachgerecht geschweißt, Nähte sind nicht vernünftig abgedichtet - die Folge sind Durchrostungen in der gesamten Bodengruppe und im Oberbau“, zählt der Experte auf.

© Dekra

...hier geht es alles andere als optimal zu. 

Bei einer endoskopischen Untersuchung - die nicht Bestandteil der üblichen Begutachtung ist, bei einem Anfangsverdacht aber sehr zu empfehlen wäre - zeigt sich das ganze Ausmaß des Problems: Im Inneren der verschiedenen Längs- und Querträger tut sich eine regelrechte Korrosionslandschaft auf.

„An diesem Fahrzeug hätte kein Oldtimer-Freund wirklich Freude“, so die Bilanz des Dekra-Experten. „Es ist ein Paradebeispiel dafür, dass man sich von der äußeren Optik auf keinen Fall täuschen lassen darf. Gerade wenn es um höhere Kaufsummen geht, ist der genaue Blick des Fachmanns sehr wertvoll, mahnt Lahne. 

© Dekra

Die endoskopische Untersuchung sollte schlussendlich jeden Laien überzeugen, das hier etwas nicht stimmt. 

„Sowohl Old-, als auch Youngtimer verdienen besondere Behandlung und Fürsorge - denn jedes Liebhaberstück hat seine ganz eigenen Bedürfnisse. Fazit: Bei Unsicherheiten ist der Gang zum Experten in jedem Fall anzuraten, bevor teure Anschaffungen getätigt werden, die später bereut werden. 

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