Automobilzulieferer

Conti-Chef spricht von massiven Jobverlusten

Bei Continental wackeln rund 20.000 Arbeitsplätze, die Stück für Stück abgebaut oder in andere Bereiche, wie Elektromobilität, eingegliedert werden.

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Die angekündigte strategische Auslegung und strukturelle Transformation des Automobilzulieferers Continental kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit massiven Verlusten von Arbeitsplätzen an den Unternehmensstandorten gerechnet werden muss. Heute berieten die Aufsichtsratsmitglieder in einer Sitzung über die weitere Vorgehensweise. Wie der weltgrößte Automobilzulieferer Bosch, muss auch Continental mit kritischen Gewinneinbußen kalkulieren. Der Weltmarkt für Automobile ist angespannt und eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht.

Zudem kommt, dass die Verbrennungsmotoren, insbesondere der Dieselantrieb, insgesamt mit einem Nachfragerückgang zu kämpfen hat. Hingegen würden sich die Kunde verstärkt für digitalisierte Lösungen interessieren, heißt es in einer Aussendung des Zulieferers. Nun will man sich auf die "entscheidenden Wachstumsfelder" konzentrieren. Im Zuge dessen plant Conti die Kosten ab 2023 um rund 500 Millionen Euro pro Jahr zu senken. Das Unternehmen rechnet dafür mit einem Aufwand in Höhe von etwa 1,1 Milliarden Euro innerhalb einer zehnjährigen Laufzeit. Die Mehrheit dieser Aufwände werden zwischen 2019 und 2022 ergebniswirksam, weitere Projekte seien aber nicht ausgeschlossen, falls die Wirkung des jetzigen Programms nicht reiche, so der Konzern. 

Massive Arbeitsplatzverluste weltweit 

20.000 Arbeitsplätze werden von der strukturellen Transformation jedenfalls betroffen sein, schätzt Continental. Darunter etwa 7.000 von mehr als 62.000 in Deutschland. Bis Ende 2023 sind es voraussichtlich rund 15.000 Arbeitsplätze, davon etwa 5.000 in Deutschland. Vor allem im Software-Bereich sollen zum Ausgleich neue Arbeitsplätze "in hoher Zahl" entstehen. In diesem Segment möchte Conti sein Produktportfolio entsprechend erweitern. Der Zulieferer nennt konkrete Gründe für die drastischen Einsparungsmaßnahmen: Zum einen bedingt durch ein geringeres Geschäftsvolumen infolge schwächerer Märkte und durch auslaufende Geschäftsaktivitäten, und zum anderen durch eventuelle Veräußerungen von Geschäftsteilen und (Teil-)Segmenten an Externe. Im Gespräch ist etwa die Ausgliederung der Antriebssparte. Weitere Veränderungen sind die Folge von Verlagerungen von Arbeitsplätzen an andere Continental-Standorte.

"Wir sehen in dem fundamentalen Technologieumbruch in unseren Industrien vor allem eine beträchtliche Wachstumschance", sagt Conti-Chef Elmar Degenhart. "Darüber hinaus gehen wir mit unserem Strukturprogramm die sich abzeichnende Krise in der Autoindustrie offensiv an und werden wie vor zehn Jahren aus ihr ein weiteres Mal gestärkt hervorgehen", so Degenhart. Strukturanpassungen werden derzeit an Standorten in Europa und den USA geprüft - darunter an den deutschen Standorten Babenhausen (über 2.200 betroffene Arbeitsplätze), Roding (rund betroffene 320 Arbeitsplätze) und Limbach-Oberfrohna (rund 860 betroffene Arbeitsplätze).

Am Standort in Pisa, Italien, wird mit dem Verlust von 500 Arbeitsplätzen gerechnet, an zwei Standorten in den USA kumuliert mit rund 1390 Betroffenen. Die Unternehmensleitung informierte den Aufsichtsrat darüber hinaus, die Produktion von Lkw-Reifen am Standort Petaling Jaya in Malaysia mit derzeit 270 Mitarbeitern bis Ende 2019 einzustellen. „Es ist unsere feste Absicht, unsere betroffenen Mitarbeiter so gut wie möglich zu schützen und ihnen Zukunftsperspektiven zu bieten, sagt Degenhart. "Betriebsbedingte Kündigungen werden für uns das allerletzte Mittel der Wahl sein. Wir können sie derzeit aber nicht ausschließen. Wenn sie unumgänglich sein sollten, wollen wir unsere ausscheidenden Mitarbeiter unterstützen, so gut wir können.“