Indicata-Analyse

COVID-19 und die Auswirkungen auf den Gebrauchtwagen-Markt

Wie sich die Corona-Krise auf den Gebrauchtwagen-Markt und die damit im Zusammenhang stehenden Preise durchschlägt, hat sich Indicata, eines der führenden Unternehmen für Business Intelligence und Analyselösungen für Gebrauchtwagengeschäfte, näher angesehen.

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Derzeit erwarten die Analysten ein ähnliches Szenario wie nach der Finanzkrise am Ende der 2000er-Jahre

Indicata hat dazu auf neun Millionen Fahrzeuganzeigen im Internet in Europa zurückgegriffen. Für die Analyse wurde der Zeitraum 1. Februar bis 18. März 2020 herangezogen. Generell zeigt sich, dass unmittelbar nach der Verschärfung der Maßnahmen und der Schließung der Grenzen die Anzahl an Gebrauchtwagen-Käufen stark eingebrochen ist. Die Verschärfung der Maßnahmen korreliert dabei prinzipiell mit den bestätigten COVID-19-Infektionen. Wurden in Österreich am 1. Februar täglich noch rund 1.300 Fahrzeuge verkauft, gab es hierzulande am 25. Februar noch einmal eine Spitze auf rund 1.500 Fahrzeuge. Der große Einbruch erfolgte am 16. März, also an jenem Tag, an den die verschärften Maßnahmen, unter anderem mit einem Betretungsverbot für den (Fahrzeug-)Handel, in Kraft getreten sind. Am 15. März lag die Zahl noch bei rund 1.350, am 18. März bei nur mehr rund 900 verkauften Fahrzeugen pro Tag.

Blick in Zukunft mit drei Szenarien

Indicata zeichnet für Zukunft drei mögliche Szenarien, die im Zusammenhang mit der Verringerung der sozialen Kontakte stehen. Szenario eins (best case) geht davon aus, dass der Gebrauchtwagenmarkt über einen Zeitraum von sechs bis neun Monaten kurzfristig stark betroffen sein wird. In diesem Fall soll jedoch die „Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft in Verbindung mit der staatlichen Stimulierung“ für eine rasche Erholung sorgen. Szenario zwei (medium case) geht von kurzfristig starken Einbrüchen und einer längeren Periode flacher und langsamer Erholung aus. Verbrauchervertrauen und Kaufkraft werden stark beeinträchtigt sein, eine schnelle Erholung wird nicht stattfinden. Indicata vergleicht dieses Szenario mit jenem der Finanzkrise in den Jahren 2007 bis 2009. Und schließlich geht Szenario drei (worst case) davon aus, dass die Wirtschaft durch die Virusspitze so stark geschädigt ist, dass es Jahre dauern wird, bis die Weltwirtschaft auf das Niveau vor dem Zusammenbruch zurückkehrt.

Indicata geht derzeit – falls Maßnahmen wie die Vermeidung von sozialen Kontakten soweit greifen, dass die Infektionsraten niedrig bleiben – vom medium case aus. Begleitet von der Hoffnung, dass die Märkte ähnlich rasch hochfahren wie nach der Finanzkrise am Ende der 2000er-Jahre. Allerdings werden die Gebrauchtwagenpreise für einen längeren Zeitraum, die Experten rechnen hier mit zwei bis vier Jahren, unter Druck geraten.