Manfred Kubik im Interview

"Die Branche ist mit einem hellblauen Auge davongekommen"

Ob und wie die Corona-Pandemie die heimischen Karosserie- und Lackierbetriebe getroffen hat und welche Themen 2021 vorherrschend sein werden, konnten wir mit Manfred Kubik, Bundesinnungsmeister der Berufsgruppe der Karosseriebautechniker, Karosserielackierer und Wagner in der Bundesinnung der Fahrzeugtechnik, besprechen.

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Manfred Kubik, Bundesinnungsmeister der Berufsgruppe der Karosseriebautechniker, Karosserielackierer und Wagner

Wie ist es den Karosserie- und Lackierbetrieben im Jahr 2020 ergangen?

Man kann hier kein einheitliches Bild zeichnen. Laut meiner Einschätzung ist die Branche mit einem hellblauen Auge davongekommen. Denn es wird aufgrund der Coronakrise mehr mit dem Auto gefahren und somit entstehen naturgemäß auch mehr Schäden. Im Geschäftsleben gibt es immer Höhen und Tiefen, das ist auch in ‚normalen‘ Jahren so. Unter dem Strich wird 2020 für die meisten Betriebe ein ‚einigermaßen normales Jahr‘ werden.

Gibt es Verlierer durch die Coronakrise – Stichwort Insolvenzen?

Es gibt aktuell so gut wie keine Firmeninsolvenzen, aber ich befürchte, dass sich das mit Jahresmitte ändern könnte. Denn dann wird die öffentliche Hand Forderungen fällig stellen, beispielsweise Krankenkassenbeiträge. Mir konnte bis dato auch niemand erklären, warum für Urlaubs- und Weihnachtsgeld Sozialversicherungsbeiträge abgeführt werden müssen. Diese nicht einzuheben, wäre ein enorme Entlastung für die Unternehmen.

Welche Themen stehen in der Innung 2021 an der Tagesordnung?

Aktuell ist die sogenannte Meisterprüfungsordnung – als ein Ergebnis wird der Meistertitel dem akademischen Abschluss des Bachelors – gleichgestellt – beim zuständigen Ministerium in Begutachtung. Wenn diese für gut befunden wird, müssen die Prüfer und Vortragenden ins Boot geholt und umfassend informiert werden. Ist das geschafft, müssten in Folge auch die Lehrpläne für die Berufsausbildung überarbeitet werden. Ein weiteres Thema ist die zunehmende Digitalisierung im Fahrzeug, beispielsweise durch Fahrerassistenzsysteme. Da die finanziellen Aufwendungen für das notwendige Equipment für Kalibrierungs- und Justierungsarbeiten die Möglichkeiten kleinerer Betrieb übersteigen, wollen wir in den Bundesländern spezielle Netzwerke bilden. Als Ziel sollten in jedem Ballungsraum, aber auch in der Fläche, genügend Betriebe mit modernem Equipment vorhanden sein, die bei Bedarf Leistungen für Kollegen aus anderen Betrieben zur Verfügung stellen.