Zulieferer

Hella erwägt Verkauf seiner Software-Sparte für Frontkameras

Der Fokus soll auf Zukunftsthemen wie Elektromobilität, automatisiertes Fahren, Software und Digitalisierung gelegt werden.

Licht- und Elektronikspezialist Hella plant das Geschäft mit Software für Frontkameras an Volkswagen verkaufen. Angaben über den Preis machten beide Unternehmen nicht. Der Verkauf werde aber rund 100 Millionen Euro kosten, teilte der Autozulieferer Hella am Dienstag in Lippstadt mit. Der Deal steht noch unter Vorbehalt der Freigabe durch die Kartellbehörden und soll Anfang 2021 zum Abschluss kommen. 

Hella-Chef Rolf Breidenbach begründete den Ausstieg aus dem Geschäft mit Frontkamerasoftware damit, dass der Konzern stets die strategischen Eckpfeiler Technologieführerschaft, Marktführerschaft sowie die Erfüllung bestimmter finanzieller Kennzahlen im Blick habe. "Wenn wir eines dieser drei Kriterien mit einem Produkt nicht nachhaltig erreichen können, verfolgen wir die entsprechenden Geschäftsaktivitäten nicht weiter", erklärte er. Um seine Ziele dauerhaft zu erreichen, hätte Hella im Bereich Frontkamerasoftware "außerordentlich hohe Investitionen verbunden mit einem großen unternehmerischen Risiko" tätigen müssen.

Der Licht- und Elektronikspezialist litt auch im ersten Quartal seines neuen Geschäftsjahres 2020/21 unter den Folgen der Corona-Krise und hatte die Pandemie und die anhaltende Schwäche der Automärkte bereits im vergangenen Geschäftsjahr (Ende Mai) deutlich zu spüren bekommen. Doch inzwischen wirkt Breidenbach wieder etwas zuversichtlicher. Die Anzeichen für eine gewisse Markterholung im Laufe des aktuellen Geschäftsjahres hätten sich zuletzt weiter verdichtet, sagte er kürzlich.

Elektromobilität und Autonomes Fahren

Hella betonte, dass die weiteren Geschäftsaktivitäten der Tochter Hella Aglaia in den Bereichen Energiemanagement, Lichtsteuerung und Personenzählgeräte (People Sensing) nicht von dem Verkauf betroffen seien. Der Konzern werde weiterhin "in automobile Zukunftsthemen wie Elektromobilität, automatisiertes Fahren, Software und Digitalisierung investieren", sagte Breidenbach. Im Zuge des Verkaufs an Volkswagen soll die Hälfte der bisher bei Hella Aglaia beschäftigten Mitarbeiter zur Car.Software Org wechseln, die Volkswagen laut Mitteilung Anfang des Jahres als markenübergreifende Einheit für Software-Entwicklung gegründet hatte.

VW teilte mit, dass die Konzerntochter Car.Software Org mit der Übernahme ihre Kompetenzen in der Bildverarbeitung ausbauen und die Entwicklung automatisierter Fahrfunktionen für alle Konzernmarken weiter vorantreiben wolle. Laut Unternehmensangaben entwickelt die Car.Software Org federführend für alle Marken im Volkswagen-Konzern Fahrerassistenzsysteme bis hin zum automatisierten Fahren und Parken. Die Bildverarbeitung sei dafür eine Schlüsselkompetenz mit wachsender strategischer Bedeutung, hieß es.

Ziel sei es, ein exaktes Abbild der Fahrzeug-Umgebung durch Kamera-und weitere Sensordaten zu erzeugen. Dies ermögliche es den Fahrzeugen, ihr Umfeld zu erfassen und ihre Position darin zu bestimmen, Situationen vorherzusehen und vorausschauende Manöver durchzuführen. Die Übernahme von Hella Aglaia bilde hierbei einen zentralen Baustein.