Joint-Venture

Schaeffler interessiert sich für Drive-by-Wire-Technologie

Ein mittelständisches deutsches Unternehmen besitzt die Schlüsseltechnik, um Schaeffler in Sachen automatisiertes Fahren an die Spitze zu katapultieren.

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Das kleine und wendige Fahrzeugkonzept „Schaeffler Mover“ ist rein elektrisch betrieben und kann mit verschiedenen Aufbauten versehen werden. 

Fahrzeugausbauten, Elektrorollstühle, Bewegungstrainer - eigentlich ist das Hauptgeschäft des schwäbischen Unternehmens Paravan der behindertengerechte Umbau von Automobilen. Doch das 180 Mitarbeiter große Unternehmen kann noch etwas, für das sich nun das Technologieunternehmen Schaeffler brennend interessiert.

Sogar derart, dass beide nun eine Vereinbarung unterzeichnet haben, um die gemeinsame Zusammenarbeit zu bekunden. Konkret gilt das Interesse dem elektronischen Steuerungssystem „Space Drive“,, das ganze ohne Lenkrad oder Lenkstange auskommt. Genau in dieser „Drive-by-wire“-Technologie sieht Schaeffler nun den Schlüssel für automatisiertes Fahren, das insbesondere auf eine hochzuverlässige Lenkfunktion angewiesen ist. 

Ursprünglich wurde das System von Paravan dazu entwickelt, um beeinträchtigten Menschen die zuverlässige Steuerung eines Fahrzeuges elektronisch zu ermöglichen. Gelenkt, beschleunigt und gebremst wird per Joystick. Die Technik ist hierzu dreifach redundant ausgelegt, das Grundsystem darf also mehrfach ausfallen und ist dann immer noch steuerbar.

Doch es gibt noch einen weiteren Vorteil: Paravan besitzt für seine behindertengerechten Fahrzeuge weltweite Straßenzulassungen. Rund 7.000 durch das Unternehmen umgerüstete Wagen sind nach Firmenangaben weltweit mit behördlicher Zulassung im Einsatz. Angeblich kann die Space Drive-Lösung über 500 Millionen unfallfreie Straßenkilometer nachweisen.

Welche Rolle das System für den im April vorgestellten Prototypen „Schaeffler Mover“ hat, wurde noch nicht verraten. Der Mover soll laut eigener Angaben aber in erster Linie als Entwicklungsplattform dienen, um zukünftige Produkte für Fahrzeughersteller zu entwickeln und zu industrialisieren. „Auch ganze Fahrplattformen für Logistik- und Serviceunternehmen sind in Zukunft denkbar“, erklärt der Schaeffler-Fahrwerkchef, Dirk Kesselgruber.

Laut dem Geschäftsführer von Paravan, Roland Arnold, sei Schäffler der ideale Partner, um Space Drive nun weiterzuentwickeln und serientauglich zu machen. Zudem würde Schäffler, genau wie Paravan, das Selbstverständnis eines Familienunternehmens haben. Das neugegründete Gemeinschaftsunternehmen erwirbt hierzu die Space Drive-Technologie von Paravan. Die Technologieabteilung von Schäffler wird 90 Prozent der Anteile halten. Wieviel Geld für den Kauf der Technologie fließt, wollten die beiden Firmen nicht verraten.

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