Aus dem Land der Ladas

Warum russische Auto-Ersatzteil-Apps boomen

Denkt man an umsatzstarke Apps, kommen etwa Amazon, Ebay, Facebook oder Spotify in den Sinn. Sieht man sich kostenpflichtige Apps an, dürfte die oberste Auswahl überraschen – denn diese befinden sich großteils im Automotive-Bereich. Apps, wie etwa „TechApp for Audi“, „Mercedes-Benz Car Parts“ und viele weitere Auto-Ersatzteil-Anwendungen kursieren derzeit im AppStore. Spannend: viele von ihnen stammen von russischen Entwicklern. Wie in Russland in den letzten Jahren ein Zentrum für Automotive-App-Entwicklung entstanden ist.

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Die „TechApp für Volkswagen“ ist nur eine von fast 70 Auto-Ersatzteil-Apps, die derzeit am häufigsten geladen werden. Und sie kommt nicht aus dem Zentrum der europäischen Autoindustrie, Deutschland nämlich, sondern aus dem Land der Ladas und Wolgas. Für den Erfolg der App dürfte zweifelsohne deren Entwickler, der Russe Vladimir Susoykin, verantwortlich sein. Nicht zuletzt weil er auch 15 weitere erfolgreiche Auto-Apps entwickelt hat, die in den Charts boomen. Darunter die Apps „TechApp for Audi“, „TechApp for BMW“ und Anwendungen für Honda, Ford, Skoda und viele weitere. Im Interview mit OMR erklärt Susoykin, dass die Idee zu den gebündelten Infos in App-Form 2014 entstanden sei, als er dabei war sein Auto zu reparieren und ständig zwischen der Garage und seinem Computer hin und her laufen musste. Budget für Kampagnen habe er kaum investiert, wichtig sei vor allem eine klare Beschreibung des Nutzens für den User im App Store.

Nun erreichen seine Apps die mit höchsten Rankings, doch er ist nicht der einzige Entwickler, der sich auf den Automotive-Bereich fokussiert hat. Mit 29 Auto-Apps ist der ebenfalls aus Russland stammende Andrey Ivanchenko am häufigsten im App Store vertreten. Preislich unterscheiden sich seine Entwicklungen nicht von jenen aus dem Hause Susoykin, inhaltlich jedoch schon. Seine beliebteste Anwendung ist „Ersatzteile für Volkswagen VW“ auf Platz 31 im App Store, dicht gefolgt von „Ersatzteile für Audi“ und „Ersatzteile für Mercedes-Benz“ auf Platz 37 und 38.

Die Entwicklerin Inna Chornaya ist eine weitere russische Auto-Enthusiastin, die sich mit der Entwicklung von Ersatzteil-Apps eine starke Position in den Anwendungs-Chart gesichert hat. Insgesamt zwölf davon stammen von ihr und kommen in den Top 200 vor. Darunter beispielsweise die App „Autoteile VW Golf V-IIV“. Während auch hier die meisten 3,49 Euro kosten, verlangt sie für einige auch 2,29 Euro und 4,49 Euro. Und auch Ruslan Balkarov hat elf Anwendungen in die Top 200 gebracht. Für 3,49 Euro kann man seine Apps „Mercedes-Benz Car Parts“ und „Car parts for Audi-ETK, OEM“ kaufen.

Kein knallharter Wettbewerb

Man könnte durchaus meinen, dass sich durch das intensive Aufkommen russischer Automotive-Apps ein starker Wettbewerb unter den vielen Entwicklern abzeichnet. Das ist jedoch nicht der Fall, wie Vladimir Susoykin weiter im Interview mit dem Blog des Online Marketing Rockstars erzählt. Der Unterschied liege darin, dass viele Anwendungen stark auf Ersatzteile ausgelegt sind, während andere eher technische Hard Facts zu Autos liefern.

Auf die Frage, wieso sich in Osteuropa ein Muster aus Auto-affinen Entwicklern erkennen lässt, hat er ebenfalls eine Antwort. Dies liege nicht unbedingt an der Liebe zum Fahrzeug, sondern an den dort herrschenden Lebensumständen und der Wirtschaftslage. Laut Susuykin möchte man im Zweifelsfall sein Auto selbst reparieren können. Deshalb muss man sich in Russland ohnehin mit der Schrauberei auseinandersetzen – und kann dabei offenbar auch gleich die eine oder andere App entwickeln.