Corona-Krise - Autohandel - Interview

Wie gehen Autohäuser mit der aktuellen Situation um?

Wir haben Kontakt mit Johannes Kirschner aufgenommen, der ein Autohaus im Nordburgenland betreibt und uns seine Sicht der Lage schildert. Warum der Online-Fahrzeughandel jetzt ein Rettungsanker sein könnte, erfahren Sie hier.

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Wo liegt euer Standort und welche Automarken werden dort angeboten?

Unser Standort ist in Mönchhof nahe dem Neusiedlersee und wir führen die Automarken Toyota, Skoda und Suzuki so wie die Zwei-Radmarken Aprilia und Sym. Im Karosserie-Lack-Fahrzeugtechnikbereich reparieren wir aber alle Marken.

Die Verkaufstätigkeiten der Autohäuser mussten auf Anordnung offiziell eingestellt werden. Können eure Verkäufer aus dem Homeoffice bestimmte Arbeiten weiterhin ausführen? 

Wir halten uns an die Restriktionen und haben alle Verkaufstätigkeiten vorübergehend eingestellt. Es werden aber noch Anfragen durch unsere Mitarbeiter beantwortet, die per E-Mail einlangen. Auch Beratungsgespräche führen wir in eingeschränktem Umfang weiter durch - zum Beispiel telefonisch. 

Bleiben die Werkstätten an den Standorten regulär geöffnet - oder nur für Notfälle?

Normalerweise arbeitet das Werkstattpersonal im Schichtbetrieb von 06:00 bis 20:00. Im Zuge der Corona-Krise haben wir auf einen Notbetrieb von 07:30 bis 16:45 umgestellt. Es werden aktuell nur dringende Reparaturen an Kundenfahrzeugen durchgeführt; beispielsweise an den Bremsen oder wenn es um eine  Wiederkehrende Begutachtung nach §57a (Pickerl-Überprüfung) geht.

Sind Sie im Werkstattbereich mit der kompletten Mannschaft aktiv - Stichwort Kurzarbeit?

Kurzarbeit ist leider auch für unseren Betrieb mit knapp 40 Mitarbeitern nicht vermeidbar. Meiner Meinung nach müssen jetzt aufgrund der Restriktionen der Bundesregierung viele Betriebe auf Kurzarbeit umstellen, sonst halten die das auf Dauer nicht durch.

Wie klappt die Fahrzeugübergabe in Zeiten des Coronavirus?

Wir bieten eine kontaktlose Annahme an: Kunden stellen dazu ihr Auto einfach am Betriebsgelände ab, der Schlüssel bleibt im Fahrzeug. Außerdem gibt es eine 24-Stunden-Annahme und Abholung. Hier kann der Kunde außerhalb des Betriebsgeländes das Fahrzeug abgeben und abholen. Außerdem bieten wir einen kontaktlosen Abhol- und Bringservice an.

© Autohaus Kirschner

Bald steht der saisonale Reifenwechsel an. Fürchten Sie, dass die Kunden massenhaft ausbleiben werden?

Dazu kann ich aktuell nichts sagen.

Seit wann gibt es Ihr Autohaus bereits?

Uns gibt es seit 1979. Seitdem ist unser Portfolio stetig gewachsen.

Wie schätzen Sie die weitere Situation ein?

Es wird extrem schwer, aber wir sind trotz der Krise überzeugt, dass wir das schaffen müssen. Wichtig ist es, einen Plan zu haben. Die Umsatzeinbußen werden für die Branche enorm sein. Die Kurzarbeit kann zwar die Personalkosten vorübergehend minimieren, doch die Fixkosten bleiben, die es zu begleichen gilt und hier liegt auch die größte Herausforderung.

Möchten Sie zum Abschluss noch einen Wunsch äußern?

Unser Team und ich stehen voll und ganz hinter den Maßnahmen der Bundesregierung, doch es würde für uns und andere einiges erleichtern, wenn zumindest der Online-Fahrzeughandel fortgeführt werden dürfte. Kaufverträge könnten vom Kunden online unterschrieben, die Fahrzeuge dann kontaktlos übergeben werden. Das würde auch für Leasingverträge funktionieren.

Ich denke, dass der Fahrzeughandel überhaupt eine der ersten Branchen sein wird, wo die ganze Abwicklung alternativ auch online stattfinden kann. In der aktuellen Situation müssten aber auch die Zulassungsstellen elektronische Anträge annehmen - und nicht nur in Ausnahmefällen. Das Fahrzeug wird dann durch die Stelle zugelassen und die Zulassungsunterlagen im Anschluss an den Kunden gesendet. Der Kunde erhielte auf diese Weise völlig „kontaktlos“ sein neues Fahrzeug.