Kraftstoffe : eFuels stehen vor Anerkennung in der EU
(v.l.) Mag. Ronald Scheucher, Industrieökonom, Gf. Mainland Economic Consultants GmbH, Univ. Doz. Dr. Stephan Schwarzer, GS eFuel Alliance Österreich und Wirtschaftsuniversität Wien Priv.-Doz. DDr. Christian F. Schneider, Rechtsanwalt bpv Hügel, Universität Wien
- © eFuel Alliance ÖsterreichDie Öffnung für hocheffiziente Verbrenner und Hybridantriebe nach 2035 – betrieben mit klimaneutralen eFuels – wäre ein entscheidendes Signal für hunderttausende Arbeitsplätze sowie die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas. Stephan Schwarzer, Generalsekretär der eFuel Alliance Österreich, erklärt im Rahmen eines Hintergrundgesprächs vor Fachjournalisten in Wien: „Das 2023 beschlossene Verbrennerverbot hat die europäische Autoindustrie in eine Sackgasse geführt, Importe aus Asien und USA gestärkt. Es ist Brandbeschleuniger bei den zuletzt schmerzhaften Arbeitsplatzverlusten. 2026 kommt es endlich, wie von uns seit langem gefordert, zur Korrektur.“
Nachdem sich die deutsche Regierungskoalition aus Christlichsozialen und Sozialdemokraten gegen das harte Verbrenner-Aus ausgesprochen und die Einbeziehung der eFuels gefordert hat, ist die Marschroute vorgezeichnet. Aus Brüssel ist zu vernehmen, dass auch nach 2035 „hocheffiziente“ Verbrenner sowie Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid- oder Range-Extender-Antrieb zugelassen werden sollen. Mit einem „Auto-Paket“ soll die europäische Automobil-Wertschöpfungskette aktiv geschützt werden. Schaden ist bereits eingetreten, weiterer Schaden droht.
Während Verbrenner zu 85–90 Prozent in Europa gefertigt werden, entfällt bei importierten E-Autos nur ein Fünftel der Wertschöpfung auf den europäischen Wirtschaftsraum. Dazu kommt der deutlich höhere Marktanteil nichteuropäischer Produzenten bei den E-Autos. Daher brachte das „Verbrennerverbot“ viele Autohersteller und tausende Zulieferer in große Schwierigkeiten, in der Folge gingen 2025 allein in Deutschland 50.000 und in Österreich 5.000 Arbeitsplätze verloren. Der Trend setzt sich leider fort. „Ein Verbrenner-Aus vernichtet aber nicht nur hochqualifizierte Arbeitsplätze, sondern schwächt die generelle Investitionsbereitschaft in Europa. Technologieoffenheit hingegen hält die Innovationspfade breit – und damit auch Europa wettbewerbsfähig“, sagt Schwarzer.
Europa darf sich nicht in neue Abhängigkeiten manövrieren
Eine ausschließliche Fokussierung auf E-Autos verstärkt die negativen Auswirkungen der Rohstoffabhängigkeit von China. Vier Länder stellen mehr als 80% der Erdölimporte. eFuels hingegen können in 100 Ländern kostengünstig produziert werden. Der Bedarf an fossilen Flüssigkraftstoffen wird laut Internationale Energieagentur bis 2050 nicht abnehmen. Damit entsteht erstmals die Chance, Energieimporte zu diversifizieren. Für Ronald Scheucher, Industrieökonom und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Mainland Economic Consultants, bringt Technologieoffenheit entscheidende Vorteile für die europäischen Volkswirtschaften bzw. die EU als Ganzes, da wichtige strategische Technologieoptionen für die Zukunft erhalten und bei Bedarf gezogen werden können. Eine davon ist der breite Auf- und Ausbau von Produktionskapazitäten im Bereich synthetischer Kraftstoffe, die industrielle Kernkompetenzen in Europa halten, Lieferketten für unseren Kontinent sichern und damit europäische Wertschöpfung langfristig garantieren. Das alles ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt unseres Wohlstandes in der EU und auch in Österreich. Scheucher: „Nun muss man abwarten, wie Brüssel im Detail reagiert und wie die Forderungen des deutschen Bundeskanzlers konkret rechtlich abgebildet werden. Eines ist sicher. Ohne begleitende Investitionen in alternative Kraftstoffe wie eFuels wird die angekündigte Technologieöffnung keinen relevanten Effekt haben. Die EU muss nun nach der angekündigten Kurskorrektur auch Finanzierungsschienen für moderne umweltfreundliche Treibstoffe öffnen, sonst lässt man die wichtige europäische Autoindustrie in einem wichtigen Aspekt allein und die neuen rechtlichen Regelungen werden zur Farce.“
Null Gramm CO₂: Verbrenner-Verbot durch die Hintertür
Christian Schneider, Experte für Europa-, Umwelt- und Wirtschaftsrecht an der Universität Wien und Partner bei bpv Hügel, weist darauf hin, dass die aktuelle EU-Flottenregulierung ab 2035 faktisch ein Verbrenner-Verbot ist. Die Verordnung (EU) 2019/631 in der Fassung 2023/851 schreibt für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge einen CO₂-Zielwert von null Gramm pro Kilometer vor – ohne Unterschied zwischen fossilen und CO₂-neutralen Kraftstoffen. Damit dürfen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, selbst wenn sie ausschließlich mit synthetischen, klimaneutralen eFuels betrieben werden, nicht mehr neu zugelassen werden. Zwar erwähnt der Erwägungsgrund 11 eine mögliche spätere Öffnung für CO₂-neutrale Kraftstoffe, rechtlich verbindlich ist dies jedoch nicht. Die bestehende Regelung führt zudem zu erheblichen Wettbewerbsnachteilen: Hersteller müssen CO₂-Gutschriften von E-Auto-Produzenten zukaufen, was Verbrenner verteuert und zu einer indirekten Subventionierung reiner E-Auto-Anbieter wie Tesla oder BYD führt. Die Klimastrafen sind derart hoch (in der Größenordnung von 10.000 Ꞓund mehr pro Pkw), dass alternative Technologien zur Vermeidung fossiler Emissionen ausgeschlossen sind. Eine Anerkennung synthetischer Kraftstoffe wäre nur durch eine grundlegende Änderung der Verordnung möglich. Solange diese Anpassung fehlt, besiegelt der Grenzwert das Aus für den Verbrennungsmotor in jeglicher Form.
Schuss ins eigene Knie beenden
Für Kopfschütteln sorgt das „Pooling“, die Möglichkeit des Verkaufs von Gutschriften, in der erwähnten EU-Verordnung: „Während die USA hohe Zölle für europäische Autos einhebt und in China europäische Importe immer geringer werden, belohnt die EU amerikanische und chinesische Importe sogar noch mit einer Prämie. Dieser Abfluss von Geld aus der EU ist sofort zu stoppen“, fordert die eFuel-Alliance. „Hier braucht es eine Schubumkehr – zu fördern sind europäische Hersteller, die die Belastungen der Transformation stemmen müssen, nicht die Konkurrenz außerhalb der EU, die europäischen Herstellern immer mehr zusetzt.“