Motorensymposium Wien 2026 : 47. Internationales Wiener Motorensymposium bringt globale Antriebstechnologien nach Wien
v.l. Bernhard Geringer, Rudolf Melzer, Matthias Zink, Geoffrey Bouquot
- © ÖVK/RangerDas Internationale Wiener Motorensymposium wird seit 1985 vom Österreichischen Verein für Kraftfahrzeugtechnik (ÖVK) veranstaltet. 2026 findet es von 22. bis 24. April in der Wiener Hofburg statt. Erwartet werden rund 1000 Fachbesucher aus mehr als 20 Nationen, darunter Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Indien, Italien, Japan, Kanada, Korea, Schweden, Türkei, UK und USA. Insgesamt sind rund 100 Fachvorträge angekündigt.
ÖVK-Präsident Prof. Bernhard Geringer spricht von einem „technologieoffenen Einpendeln“ zwischen batterieelektrischen Antrieben, Wasserstoff, Hybrid, eFuels und klassischen Treibstoffen. Je nach Region, Rohstoffverfügbarkeit und Fahrzeugart seien unterschiedliche Lösungen erforderlich.
Technologieportfolio statt Entweder-oder
Prof. Stefan Pischinger von der Technischen Hochschule Aachen wird über die Zukunft der Antriebssysteme im Kontext der CO2-Flottenziele sprechen. Er betont:
„Die Diskussion über Antriebstechnologien wird noch zu häufig als „Entweder-oder“ geführt. Die Realität der globalen Transformation ist jedoch keine binäre Entscheidung, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Regulierung, Marktanforderungen, technologischer Reife und industrieller Umsetzungsgeschwindigkeit. Die Konsequenz für die Industrie ist daher eindeutig: Wir sollten nicht über „den“ Antrieb der Zukunft sprechen, sondern über ein robustes, resilientes Technologieportfolio.“
Matthias Zink, Vorstand Powertrain & Chassis bei der Schaeffler AG und Präsident von CLEPA, verweist auf die wirtschaftliche Bedeutung der Branche. Bis zu 75 Prozent des Komponentenwerts eines Fahrzeugs werden in Europa geschaffen. Der Sektor sichert rund 1,7 Millionen Arbeitsplätze. EU-Zulieferer investieren jährlich 45 Milliarden Euro. Gleichzeitig sei der globale Wettbewerb intensiver geworden, Produktionsverlagerungen und Stellenabbau seien die Folge.
KI, Hybrid und Range Extender
Geoffrey Bouquot, Vorstand Technische Entwicklung bei Audi, sieht künstliche Intelligenz als zentralen Treiber. KI verkürze Entwicklungszyklen, steigere Effizienz und Qualität und ermögliche neue digitale Nutzererlebnisse.
Im Bereich Hybrid und Range Extender werden mehrere Neuheiten vorgestellt. AVL präsentiert gemeinsam mit Chery einen neuen Hybrid-Ottomotor mit 48 Prozent Wirkungsgrad in der Serie. Toyota zeigt ein „Next-Generation-Hybridsystem für Plug-in-Hybridfahrzeuge“. Die VW AG stellt ihre neueste Hybrid-Generation vor, BMW gibt Details zum batterieelektrischen Antrieb „GEN6“ bekannt.
Auch Hochleistungsantriebe stehen im Programm. Porsche zeigt einen hybridisierten Bi-Turbo-Sechszylinder-Boxermotor für den neuen 911 Turbo S. Mahle bringt einen „V12-Hybrid-Antriebsstrang für ultimative Leistungen in einem Hypercar“ nach Wien. Lamborghini präsentiert einen Hochleistungshybrid für den Temerario GT3.
Benzin, Diesel und Wasserstoff
Der indische Tata-Konzern stellt eine neue 1,5-Liter-Benzinmotoren-Vierzylinder-Familie vor. Audi präsentiert einen neuen V6-TDI mit hybridischem Antriebsstrang. Mercedes zeigt die Weiterentwicklung des Diesel-Reihensechszylinders OM 656 Evo.
Im Bereich Wasserstoff-Verbrennungsmotoren präsentiert Cummins einen „Heavy Duty“-Motor. Die chinesische FAW-Gruppe zeigt eine Wasserstoff-Technologie für schwere Nutzfahrzeuge. AVL stellt gemeinsam mit Scania ein H2-HPDI-System mit 60 Prozent effektivem Wirkungsgrad vor.
Software-definierte Fahrzeuge und China-Forum
Im Bereich Software-Defined-Vehicles bringt AVL mit „Copper Car“ einen Software-Regressionstest für Hochvoltsysteme elektrischer Fahrzeuge nach Wien.
Erstmals findet am Tag vor der offiziellen Eröffnung in Kooperation mit China-SAE ein „Forum für nachhaltige Antriebstechnologien“ statt. Ziel ist die Bündelung technologischer Stärken der chinesischen und europäischen Automobilindustrie. Vorgesehen sind eine Interpretation der chinesischen Technologie-Roadmap 3.0, ein Benchmarking anhand der EU-CO2-Vorschriften sowie Beiträge von Great Wall Motors, AVL und SERESPower.
Der ÖVK zählt rund 750 ordentliche Mitglieder. Das Motorensymposium wurde 1979 erstmals initiiert und wird seit 1985 vom ÖVK ausgerichtet. Seit 2017 steht Prof. Bernhard Geringer dem Verein vor.