Antriebe neu denken : Debatte um EU-Autopolitik: Industrie fordert mehr Offenheit für eFuels
eFuels, Verbrenner-Aus und Europas Industrie-Zukunft: Experten fordern Kurskorrektur bei EU-Autopolitik
- © AA+W - stock.adobe.comIm Rahmen eines Hintergrundgesprächs in Wien sowie der anschließenden „Energy Transition Innovation Talks“ diskutierten Vertreter aus Wissenschaft, Industrie und Politik über die künftige Ausrichtung der europäischen Automobilpolitik. Kritisiert wurde insbesondere, dass die Vorschläge der Europäischen Kommission trotz Bekenntnissen zur Technologieoffenheit weiterhin stark auf einen „Zero-Emission-Ansatz“ ausgerichtet seien.
Die Experten forderten eine breitere Betrachtung verschiedener Antriebstechnologien und erneuerbarer Kraftstoffe.
Systemischen Ansatz wird gefordert
Christian Beidl von der TU Darmstadt sprach sich für eine technologieoffene Betrachtung von Elektromobilität und Verbrennungsmotoren aus. Beide Technologien würden sich ergänzen. Ohne speicherbare grüne Kraftstoffe sei langfristig kein stabiles Energiesystem möglich.
Beidl fordert, Fahrzeuge mit nachhaltigen Kraftstoffen bei der Bewertung ihrer Klimawirkung E-Fahrzeugen gleichzustellen. Zudem kritisierte er die Diskussion rund um sogenannte „Hard-to-Abate“-Sektoren und verwies auf die Bedeutung erneuerbarer Kraftstoffe für Klimaschutz und wirtschaftliche Stabilität.
Industrie sieht Wettbewerbsfähigkeit gefährdet
Auch Vertreter der Automobilindustrie sehen Anpassungsbedarf beim aktuellen Regulierungskurs. Maximilian Schwenke von der BMW Group bezeichnete das aktuelle Automotiv-Paket als faktisches Verbrennerverbot mit lediglich geringfügigen Korrekturen.
Erneuerbare Kraftstoffe seien laut Schwenke nicht nur für Neufahrzeuge relevant, sondern auch für den bestehenden Fahrzeugbestand. Gleichzeitig verwies er auf die Bedeutung eines breiteren technologischen Ansatzes für die Wettbewerbsfähigkeit Europas.
eFuels als Teil der Versorgungssicherheit
Neben Klimaschutz wurde auch die Energie- und Versorgungssicherheit Europas thematisiert. Stephan Schwarzer von der eFuel Alliance Österreich betonte, dass nachhaltige Energie- und Mobilitätsstrategien geopolitische Risiken berücksichtigen müssten.
eFuels könnten laut Schwarzer helfen, die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten zu reduzieren und die Versorgung breiter abzusichern. Begrüßt wurde in diesem Zusammenhang die angekündigte österreichische Importstrategie mit Fokus auf Wasserstoff und eFuels.
Jürgen Roth, Präsident der eFuel Alliance Österreich, verwies zudem auf internationale Entwicklungen. Deutschland plane bis 2030 die Bereitstellung von 670 Millionen Litern eFuels für den Straßenverkehr.
Forderung nach Technologieoffenheit
Mehrere Teilnehmer kritisierten regulatorische Vorgaben, die bestimmte Technologien ausschließen könnten. Christian Holzhauser von der Wirtschaftskammer Wien sprach sich gegen Technologieverbote aus und verwies auf deren Auswirkungen auf Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.
Auch Wolfgang Böhm, Fachgruppenobmann der Transporteure in der Wirtschaftskammer Wien, forderte technologieoffene Rahmenbedingungen für die Transportwirtschaft.
Günther Kerle, Vorsitzender der Automobilimporteure und stellvertretender Obmann des Fahrzeughandels in der WKÖ, verwies darauf, dass unterschiedliche Kundengruppen unterschiedliche Mobilitätslösungen benötigen würden.
Europa zwischen Klimazielen und Standortdruck
Hans Jürgen Salmhofer vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur betonte die Herausforderung, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaziele gleichzeitig sicherzustellen.
Mehrere Teilnehmer warnten davor, dass Europa im globalen Wettbewerb unter Druck geraten könnte. Stephan Schwarzer sprach sich für rasche politische Entscheidungen aus, um Arbeitsplätze zu sichern und Investitionen in alternative Kraftstoffe voranzutreiben.