Branche unter Druck : Kfz-Branche warnt vor neuen Belastungen für Elektromobilität und Werkstätten
Langjährige Unternehmer wurden ausgezeichnet, (l.) Peter Jagersberger, Obmann Fahrzeughandel, (2.v.l.) Gabi Lechner, WKÖ-Vizepräsidentin, Thomas Marichhofer, (2.v.r.) Landesinnungsmeister Fahrzeugtechnik, und Josef Niegelhell, Berufsgruppensprecher Karosseriebautechnik
- © Klaus MorgensternDer „Tag der steirischen Kfz-Wirtschaft“ hat sich als jährlicher Branchentreff für Unternehmer und Führungskräfte aus Fahrzeughandel, Fahrzeugtechnik und Karosseriebautechnik etabliert. Auch heuer nutzten rund 250 Teilnehmer die Veranstaltung zum Austausch über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Mobilitätsbranche. Gastgeber waren Peter Jagersberger, Obmann des Kfz-Handels, Thomas Marichhofer, Landesinnungsmeister der Fahrzeugtechnik, sowie Josef Niegelhell als Vertreter der Karosseriebautechnik.
Kritik an geplantem Sachbezug für E-Dienstwagen
Ein zentrales Thema war die geplante Einführung eines Sachbezugs für die private Nutzung von Elektro-Dienstfahrzeugen. Peter Jagersberger sieht darin ein mögliches Hindernis für die weitere Verbreitung der Elektromobilität.
Nach seinen Angaben werden rund 70 Prozent aller Elektrofahrzeuge von gewerblichen Kunden angeschafft. Die bisherige Sachbezugsbefreiung habe wesentlich zur Marktentwicklung beigetragen. Gleichzeitig zog Jagersberger eine positive Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr. Die steirische Kfz-Branche umfasst knapp 2.500 Unternehmen mit rund 7.400 Beschäftigten und verzeichnete laut Branchenvertretung ein Plus von 15 Prozent.
Fahrzeugtechnik warnt vor längeren Pickerl-Intervallen
Auch die geplante Verlängerung der „pickerlfreien“ Frist von drei auf vier Jahre wurde kritisch diskutiert. Thomas Marichhofer verwies auf bestehende Mängelstatistiken, wonach Fahrzeuge bereits drei Jahre nach der Erstzulassung schwere Mängel aufweisen können.
Darüber hinaus sieht die Interessenvertretung finanzielle Auswirkungen für die öffentliche Hand. Durch den Wegfall einer Begutachtungsperiode könnten dem Staat laut Marichhofer jährlich rund 17 Millionen Euro entgehen.
Die Fahrzeugtechnik und Karosseriebautechnik umfassen in der Steiermark rund 1.500 Betriebe mit mehr als 4.000 Beschäftigten. Aktuell profitieren viele Werkstätten von saisonalen Arbeiten wie Reifenwechseln, Bremsenservice und Urlaubschecks.
Karosseriebranche unter Kostendruck
Josef Niegelhell berichtete von einem durchwachsenen Jahr für die Karosseriebautechnik. Zwar seien die Unfallzahlen rückläufig, gleichzeitig steige aber der Druck seitens der Versicherungswirtschaft, Reparaturen möglichst kostengünstig durchzuführen.
Gleichzeitig erhöhen neue Fahrzeugtechnologien die Anforderungen an Reparaturbetriebe und deren Mitarbeiter. In der Steiermark gibt es rund 150 Betriebe aus dem Bereich Lack- und Karosseriebautechnik.
Nachhaltigkeit und KI als weitere Schwerpunkte
Ein weiterer Fokus lag auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit in Kfz-Betrieben. WKO-Vizepräsidentin Gabi Lechner betonte die wirtschaftlichen Chancen nachhaltiger Maßnahmen. Johannes Bittmann von der WIN-Energieberatung verwies auf Einsparpotenziale von zehn bis 30 Prozent durch vergleichsweise einfache Maßnahmen wie Nacht- oder Wochenendabsenkungen.
Darüber hinaus standen Digitalisierung und künstliche Intelligenz auf dem Programm. Philipp Gady berichtete über Erfahrungen mit Cyberkriminalität in der Automobilbranche. Vertreter der Vienna AI Company sowie Branchenexperten präsentierten mit „Lisa“ eine speziell für Kfz-Betriebe entwickelte KI-Lösung.
Im Rahmen der Veranstaltung wurden außerdem langjährige Unternehmer der Branche für ihre Leistungen ausgezeichnet.