Wiener Motorensymposium 2026 : Branche fordert Technologieoffenheit bei Antrieben
Hochkarätiger Diskurs mit 1000 internationalen Gästen, insgesamt 100 Vorträgen und 50 Ausstellern bei renommiertester Konferenz für Antriebstechnik
- © ÖVK/RangerDas 47. Internationale Wiener Motorensymposium brachte Ende April 2026 erneut Vertreter aus Automobilindustrie, Forschung und Zulieferindustrie in der Wiener Hofburg zusammen. Insgesamt wurden rund 100 Vorträge gehalten, begleitet von einer Ausstellung mit 50 Unternehmen.
Im Fokus stand die Frage, wie unterschiedliche Antriebstechnologien künftig zur Defossilisierung des Verkehrs beitragen können. Mehrere Vortragende betonten dabei die Bedeutung technologieoffener Ansätze.
Gesamtbetrachtung statt Einzellösung
Bernhard Geringer, Vorsitzender des Österreichischen Vereins für Kraftfahrzeugtechnik (ÖVK), verwies auf die Notwendigkeit einer systemischen Betrachtung von Energie und Antrieb. Entscheidend sei die Analyse über den gesamten Lebenszyklus hinweg.
Auch Vertreter internationaler Unternehmen und Forschungseinrichtungen stellten unterschiedliche Lösungen gegenüber. Beiträge befassten sich unter anderem mit batterieelektrischen Fahrzeugen, Hybridsystemen, Verbrennungsmotoren, e-Fuels und Wasserstoffantrieben.
China präsentiert „Roadmap 3.0“ erstmals in Europa
Ein Schwerpunkt des Symposiums war die Europapremiere der chinesischen „Roadmap 3.0“. Professor Xiangyang Xu von der China SAE präsentierte den Entwicklungsplan der chinesischen Automobilindustrie bis 2040.
Vertreter chinesischer Hersteller wie Geely, Great Wall Motors und Li Auto gaben Einblicke in aktuelle Entwicklungen. Laut Geely-Managerin Ruiping Wang seien unterschiedliche Technologien notwendig, um Klimaneutralität zu erreichen.
BEV-Anteil von 45 Prozent bis 2035 erwartet
Stefan Pischinger von der RWTH Aachen stellte globale Entwicklungen und regulatorische Unterschiede zwischen den Märkten vor. Unter günstigen Rahmenbedingungen könne der weltweite Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge bis 2035 auf 45 Prozent steigen.
Gleichzeitig wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass Verbrennungsmotoren außerhalb Europas weiterhin eine bedeutende Rolle spielen werden. In China könnten laut Roadmap 2040 weiterhin mehr als ein Drittel der Neuzulassungen auf elektrifizierte Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor entfallen.
Fortschritte bei Verbrennern und Elektrotechnik
AVL präsentierte einen Verbrennungsmotor mit einem Wirkungsgrad von 48 Prozent. Weitere Vorträge beschäftigten sich mit neuen Zündsystemen, Hybridsystemen sowie elektrischen Antrieben.
Porsche stellte eine Öl-Direktkühlung für den Elektromotor des neuen Cayenne Electric Turbo vor. BMW, Chery, Volkswagen und AVL präsentierten Entwicklungen bei elektrischen Antriebssystemen.
Zudem wurde über die steigende Bedeutung von Range-Extender-Fahrzeugen berichtet. In China wurden laut Symposium im vergangenen Jahr mehr als 1,2 Millionen solcher Fahrzeuge verkauft.
Wasserstoff bleibt Thema der Branche
Mehrere Vorträge beschäftigten sich mit Wasserstoff als Energieträger. Diskutiert wurden Anwendungen über Direktverbrennung sowie Brennstoffzellentechnik. TU-Graz-Professor Helmut Eichlseder verwies dabei auf die Bedeutung von Forschung und Entwicklung für den Standort Europa.
Auch die europäische Zulieferindustrie stand im Fokus. CLEPA-Vorsitzender Matthias Zink schilderte die Herausforderungen der Branche im Spannungsfeld zwischen Regulierung und technologischer Entwicklung.
Batteriefertigung in Europa im Aufbau
PowerCo-CEO Frank Blome präsentierte den Stand der europäischen Batteriezellfertigung von Volkswagen. Die Produktion der sogenannten Einheitszelle läuft seit Dezember 2025 in Salzgitter. Weitere Werke entstehen derzeit in Valencia und Kanada.
Mehrere Vortragende warnten davor, dass Europa im internationalen Wettbewerb unter Druck geraten könnte. Während in China Planung und in den USA Förderung dominierten, werde Europa vor allem durch Regulierung geprägt.
Das nächste Internationale Wiener Motorensymposium findet von 21. bis 23. April 2027 in Wien statt.