Kraftstoffwende : Warum die Debatte über eFuels neue Dynamik erhält

V.l.: Ralf Diemer, CEO der eFuel Alliance e.V.; Stephan Schwarzer, Generalsekretär der eFuel Alliance Österreich; Univ.-Prof. Dr.-Ing. Christian Trapp vom Institut für Thermodynamik und nachhaltige Antriebssysteme der TU Graz

V.l.: Ralf Diemer, CEO der eFuel Alliance e.V.; Stephan Schwarzer, Generalsekretär der eFuel Alliance Österreich; Univ.-Prof. Dr.-Ing. Christian Trapp vom Institut für Thermodynamik und nachhaltige Antriebssysteme der TU Graz

- © Dora Szalay/eFuel Alliance Österreich

Angesichts geopolitischer Spannungen und wachsender Abhängigkeiten bei Energieimporten fordern Experten den raschen Aufbau einer europäischen Produktions- und Logistikinfrastruktur für klimaneutrale synthetische Kraftstoffe. Im Rahmen eines Hintergrundgesprächs der eFuel Alliance Österreich diskutierten Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Industrie die Bedeutung von eFuels für Versorgungssicherheit, Resilienz und Verteidigungsfähigkeit Europas.

Nach Einschätzung der Teilnehmer sind eFuels nicht nur eine Klimaschutztechnologie, sondern ein wichtiger Bestandteil eines widerstandsfähigen Energiesystems. Sie gelten als klimaneutraler Ersatz für fossile flüssige Energieträger, die nach wie vor eine zentrale Rolle im europäischen Energiesystem spielen.

Flüssige Energieträger bleiben für zahlreiche Anwendungen relevant

Rund 40 Prozent des österreichischen Energieverbrauchs basieren derzeit auf flüssigen Energieträgern. Nach Ansicht der Experten gibt es insbesondere im Schwerverkehr, in der Luft- und Schifffahrt sowie bei Einsatzorganisationen, kritischer Infrastruktur und militärischen Anwendungen auf absehbare Zeit keine gleichwertige Alternative.

Christian Trapp vom Institut für Thermodynamik und nachhaltige Antriebssysteme der TU Graz betont die Bedeutung speicher- und transportfähiger Energieträger für resiliente Energiesysteme. „Resiliente Energiesysteme benötigen speicher- und transportfähige Energieträger. eFuels aus europäischer Produktion können insbesondere in Krisen- und Konfliktsituationen einen entscheidenden Beitrag zur Versorgungssicherheit und strategischen Autarkie Europas leisten“, sagt Trapp.

Experten verweisen auf Risiken globaler Energieabhängigkeiten

Die Diskussionsteilnehmer sehen die Energieversorgung zunehmend als sicherheitspolitische Herausforderung. Verwiesen wurde unter anderem auf Blackout-Ereignisse in Spanien und Portugal sowie auf Sabotageakte gegen Energie-, Kommunikations- und Transportinfrastruktur in Europa.

Nach Ansicht der Experten zeigen solche Ereignisse die Bedeutung einer krisenfesten Energieversorgung. Gleichzeitig wird auf die Abhängigkeit Europas von Energieimporten hingewiesen.

Besonders kritisch bewertet wurde die Konzentration von Rohölimporten auf wenige Herkunftsländer. Nach Angaben der eFuel Alliance stammen derzeit rund 56 Prozent der österreichischen Rohölimporte aus Kasachstan. Zudem entfallen rund 84 Prozent des österreichischen Ölverbrauchs auf den Verkehrssektor.

Die Experten argumentieren, dass eFuels sowohl in Europa produziert als auch aus unterschiedlichen Weltregionen importiert werden könnten und dadurch zur Diversifizierung der Energieversorgung beitragen würden.

Chancen für Industrie und Technologieentwicklung

Ralf Diemer, CEO der eFuel Alliance e.V., sieht im Aufbau einer europäischen eFuel-Wirtschaft auch wirtschaftliche Potenziale.

„Die geopolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigen deutlich, dass Versorgungssicherheit und Resilienz zentrale Standortfaktoren geworden sind. Mit einer europäischen eFuel-Produktion werden wir unabhängiger von kritischen Importen, schaffen zusätzliche Versorgungswege und stärken die Widerstandsfähigkeit unseres Energiesystems“, erklärt Diemer.

Darüber hinaus könnten nach Ansicht der Experten neue industrielle Wertschöpfungsketten entstehen. Auch Entwicklungs- und Schwellenländer mit hohem Potenzial für erneuerbare Energien könnten vom globalen Hochlauf synthetischer Kraftstoffe profitieren.

Für Österreich sehen die Teilnehmer Chancen im Bereich Umwelttechnologie. Heimische Technologie- und Projektentwickler verfügten bereits heute über Kompetenzen entlang der Wertschöpfungskette.

Technologieoffenheit und bestehende Infrastruktur im Fokus

Stephan Schwarzer, Generalsekretär der eFuel Alliance Österreich, fordert eine breitere Betrachtung der Mobilitäts- und Energiepolitik. „Technologieoffenheit ist keine Ideologie, sondern eine Frage der Resilienz. Wer die Transformation ausschließlich auf batterieelektrische Mobilität ausrichtet, schafft neue Abhängigkeiten – insbesondere von China bei Batterien, Rohstoffen und Wertschöpfungsketten“, sagt Schwarzer.

Die Experten verwiesen zudem auf die Bedeutung bestehender Infrastruktur. Raffinerien und Logistiksysteme könnten künftig für die Produktion und Verteilung synthetischer Kraftstoffe genutzt werden. Ein Wegfall flüssiger Energieträger würde nach ihrer Einschätzung langfristig auch den Verlust dieser Infrastruktur bedeuten.

Im Rahmen des Hintergrundgesprächs bestand Einigkeit darüber, dass Versorgungssicherheit, technologische Souveränität, Resilienz und Klimaschutz künftig stärker gemeinsam betrachtet werden müssen. Nach Auffassung der Experten könnten klimaneutrale eFuels dabei eine wichtige Rolle an der Schnittstelle von Energie-, Industrie-, Verkehrs- und Sicherheitspolitik übernehmen.