Verkehrssicherheit : Unterschätzte Gefahr: Warum so viele tödliche Unfälle auf Freilandstraßen passieren

ÖAMTC-Umfrage: Wildwechsel, unübersichtliche Kreuzungen und schlechte Fahrbahnzustände werden als größte Risiken wahrgenommen.

ÖAMTC-Umfrage: Wildwechsel, unübersichtliche Kreuzungen und schlechte Fahrbahnzustände werden als größte Risiken wahrgenommen.

- © ÖAMTC/Postl

Freilandstraßen sind in Österreich nach wie vor ein Unfallschwerpunkt. Laut ÖAMTC kamen im Jahr 2024 insgesamt 63 Prozent aller Verkehrstoten auf Freilandstraßen ums Leben. Besonders schwerwiegend sind dabei sogenannte Abkommensunfälle, bei denen Fahrzeuge von der Fahrbahn abkommen.

Eine Analyse des Zeitraums von 2020 bis 2024 zeigt, dass rund ein Drittel der auf Freilandstraßen Verstorbenen bei solchen Unfällen tödlich verunglückte. „In diesem Zeitraum verloren auf Freilandstraßen im Schnitt 84 Menschen pro Jahr ihr Leben, nachdem sie mit ihrem Fahrzeug von der Straße abgekommen waren“, erklärt David Nosé, Verkehrstechniker beim ÖAMTC.

Zu den häufigsten Ursachen zählen laut ÖAMTC Unachtsamkeit und Ablenkung, verschmutzte oder rutschige Fahrbahnen sowie nicht angepasste Geschwindigkeit.

Wildwechsel und Kreuzungen gelten als größte Risiken

Eine kürzlich durchgeführte repräsentative ÖAMTC-Umfrage zeigt, welche Gefahren Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer auf Freilandstraßen besonders wahrnehmen. Als größte Risiken werden Wildwechsel sowie unübersichtliche Kreuzungen und Einmündungen genannt. Jeweils 88 Prozent der Befragten sehen darin eine besondere Gefahrenquelle.

Ebenfalls häufig genannt werden verschmutzte Fahrbahnen mit 82 Prozent sowie mangelhafte Straßenoberflächen mit 77 Prozent.

Deutlich seltener werden hingegen Bäume am Fahrbahnrand oder Alleen als Risiko wahrgenommen. Nach Einschätzung des ÖAMTC steht diese Wahrnehmung im Widerspruch zu den tatsächlichen Unfallfolgen. „Rund ein Drittel aller Unfälle auf Freilandstraßen sind Abkommensunfälle, bei denen die Fahrzeuge auf fixe Objekte aufprallen – oft mit gravierenden Konsequenzen. Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage zeigen, dass das Gefahrenpotential von Objekten am Straßenrand – insbesondere das von Bäumen – vielfach unterschätzt wird“, sagt Nosé.

Als möglichen Grund nennt der Verkehrstechniker die Gewöhnung an baumgesäumte Straßen, die von vielen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern als alltäglich wahrgenommen werden.

Mehrheit fordert Verbesserungen an der Straßeninfrastruktur

Bei den Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit sprechen sich die Befragten vor allem für Verbesserungen der Infrastruktur aus. Genannt werden insbesondere sauberere Fahrbahnen, bessere Straßenbeläge sowie klar erkennbare Bodenmarkierungen.

Wenig Zustimmung erhält dagegen eine generelle Senkung des Tempolimits auf Freilandstraßen. Auch verstärkte Überwachungsmaßnahmen werden von den Befragten überwiegend nicht als geeignete Lösung angesehen.

ÖAMTC sieht Handlungsbedarf bei Infrastruktur und Fahrverhalten

Da menschliche Fehler weiterhin eine der Hauptursachen für Verkehrsunfälle sind, gewinnt nach Ansicht des ÖAMTC eine sogenannte fehlerverzeihende Straßeninfrastruktur an Bedeutung.

„Was für Straßenhalte daher noch stärker in den Fokus rücken sollte, ist eine konsequente Kontrolle und laufende Verbesserung des Straßenzustandes sowie der technischen Ausstattung gemäß der Verkehrssicherheitsstrategie des Bundesministeriums“, betont Nosé.

Gleichzeitig verweist der Mobilitätsclub auf die Verantwortung der Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer. Aufmerksamkeit, Rücksichtnahme und eine defensive Fahrweise seien entscheidende Faktoren für mehr Sicherheit auf Freilandstraßen.

„Selbst die beste Infrastruktur kann menschliche Fehler nicht vollständig kompensieren. Umso wichtiger ist es, dass Lenker auf Freilandstraßen besonders konzentriert und verantwortungsvoll unterwegs sind und immer eine den Straßenverhältnissen angepasste Geschwindigkeit wählen“, so Nosé abschließend.