Werkstatttechnik : Wie Werkstätten Fahrerassistenzsysteme künftig genauer prüfen können
Das neue System ergänzt klassische Kalibrierfunktionen um Frequenz- und Polarisationserkennung sowie Zielsimulation.
- © MahleMAHLE und Rohde & Schwarz haben gemeinsam ein System zur Prüfung von Sensoren moderner Fahrerassistenzsysteme (ADAS) entwickelt. Die neue Plattform ermöglicht nach Angaben der Unternehmen erstmals eine standardisierte Überprüfung von Radar- und Kamerasensoren nach Reparaturen oder Unfallschäden.
Die Lösung kombiniert das Kalibriersystem TechPRO® Digital ADAS 2.0 Extra von MAHLE mit dem Radar-Tester R&S® RadEsT von Rohde & Schwarz. Vorgestellt wird die gemeinsame Entwicklung am 11. Juni 2026 auf der TÜV MobiCon 2026 in Berlin.
Standardisierte Prüfung von Radar- und Kamerasensoren
Moderne Fahrerassistenzsysteme spielen eine zentrale Rolle für die Fahrzeugsicherheit. Nach Reparaturen an Karosseriebauteilen fehlten bislang jedoch standardisierte Verfahren, um die korrekte Funktion der Sensoren zuverlässig zu überprüfen.
Die neue Plattform soll diese Lücke schließen. Sie richtet sich an Kfz-Werkstätten, Reparaturbetriebe, Fahrzeughersteller, Versicherungen, Behörden und Prüforganisationen. Darüber hinaus sehen die Unternehmen Potenzial für den Einsatz bei zukünftigen statischen Prüfungen von ADAS-Sensoren im Rahmen der Hauptuntersuchung.
„Mit dieser Innovation heben wir Fahrerassistenzsysteme auf die nächste Stufe. Erstmals wird ihre Funktion nach einer Reparatur messbar, nachvollziehbar und standardisierbar“, sagt Felix-Matthias Walter, Leiter Service Solutions bei MAHLE Lifecycle and Mobility.
Erweiterte Prüffunktionen für Radarsensoren
Das Kalibriersystem von MAHLE verfügt über integrierte Ultraschallsensoren zur Fahrzeugpositionierung. Ergänzt wird die Technik durch automatische Fahrzeugerkennung, laserbasierte Distanzmessung sowie motorisierte Zielsysteme für die Kalibrierung. Ein spezielles Display-Hebesystem ermöglicht zudem die Ausrichtung bei hohen Fahrzeugen.
Durch die Integration des Radar-Testers von Rohde & Schwarz kommen zusätzliche Messfunktionen hinzu. Dazu zählen Frequenz- und Polarisationserkennung, Leistungsmessung sowie Ziel- und Winkelsimulation für Radarsensoren. Dadurch können Prüfer die Ausrichtung und Funktion von Radarsensoren nach Reparaturen oder Beschädigungen kontrollieren und im Diagnosegerät MAHLE TechPRO® 2 identifizieren.
„Das ist ein Meilenstein für die Fahrzeugsicherheit. Unsere Radarmesstechnik wird heute schon weltweit in der Automobilentwicklung und -produktion eingesetzt. Gemeinsam mit MAHLE bringen wir diese Messgenauigkeit jetzt direkt in die Werkstatt“, erklärt Matthias Beer, Director Imaging Sensor Products bei Rohde & Schwarz.
Einsatz in Werkstätten, Prüforganisationen und Versicherungen
Die Unternehmen sehen mehrere Anwendungsbereiche für die neue Plattform. Werkstätten sollen nach Reparaturen eine dokumentierte Bestätigung erhalten, dass Fahrerassistenzsysteme weiterhin innerhalb der vorgegebenen Spezifikationen arbeiten.
Darüber hinaus eignet sich das System für Qualitäts- und Leistungsprüfungen, da sich sowohl fehlerfreie als auch fehlerhafte Zustände gezielt simulieren lassen.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Erzeugung reproduzierbarer und revisionssicherer Messdaten. Diese könnten künftig als Grundlage für technische Prüfverfahren, regulatorische Anforderungen oder Bewertungen durch Versicherungen dienen.
MAHLE und Rohde & Schwarz setzen auf Sicherheit und Digitalisierung
MAHLE Lifecycle and Mobility entwickelt Produkte und Dienstleistungen für den Ersatzteil- und Werkstattmarkt. Der Geschäftsbereich ist weltweit an 28 Standorten und weiteren Vertriebsbüros in 23 Ländern vertreten und erzielte 2025 einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro.
Rohde & Schwarz mit Hauptsitz in München ist auf Mess- und Kommunikationstechnik, Technologie-Systeme sowie Netz- und Cybersicherheitslösungen spezialisiert. Im Geschäftsjahr 2024/2025 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 3,16 Milliarden Euro und beschäftigte weltweit mehr als 15.000 Mitarbeiter.