Produktion

Halbleitermangel legt Stellantis-Werk in Aspern lahm

© Lukas Klamert

Mehr Unterstützung von Wirtschaft und Politik wünscht sich der Betriebsrat für den Stellantis-Standort in Wien Aspern. Um nicht mehr von über die Welt verstreuten Chipproduzenten abhängig zu sein, müsste Europa eine eigene Produktion für Halbleiter aufbauen, hieß es in einer Mitteilung. Die Chipkrise ist mittlerweile zu einem weltweiten Problem geworden. Sie ist auch der Grund dafür, dass die Getriebefertigung in Aspern nunmehr für zweieinhalb Monate stillgelegt wird. Kündigungen gibt es keine. 460 Beschäftigte sind zur Kurzarbeit angemeldet.

Sie erhalten 80 bis 90 Prozent ihres Lohnes. Wie es danach im Wiener Opelwerk weitergeht, ist noch unklar. Die Produktion soll am 2. Jänner wieder hochgefahren werden, so jedenfalls die Geschäftsführung. "Der Stellantis Konzern sollte sich bewusst sein, dass ein massiver Konflikt droht, sollten Ausgliederungspläne und Produktverlagerungen umgesetzt werden", erklärte der Bezirkschef der IG Metall Mitte, Jörg Köhlinger.

Die Unterstützung der Ministerpräsidenten von Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen sei "Ausdruck eines breiten Bündnisses gegen den Kahlschlag" so Köhlinger. In der vergangenen Woche waren Stellantis-Pläne bekannt geworden, die beiden Produktionswerke Rüsselsheim und Eisenach aus der deutschen Einheit Opel Automobile GmbH herauszulösen. Zudem soll wegen des Halbleitermangels das Werk Eisenach für drei Monate geschlossen werden, während in anderen Stellantis-Werken die Produktion aufrechterhalten wird. Dazu soll Kurzarbeit beantragt werden. Am Mittwoch waren weitere Hinweise auf eine bevorstehende Re-Organisation der Opel GmbH bekannt geworden, bei der etwa Entwicklungskapazitäten aus Kostengründen nach Marokko verlagert werden könnten.

Stellantis versuche, Produktentscheidungen und Standortbelegungen völlig intransparent durch die Hintertür durchzusetzen, um Tarif- und Mitbestimmungsstrukturen zu umgehen, erklärte Köhlinger. So sollten offensichtlich zusätzliche Kapazitäten für den Anlauf der neuen Ausgabe des Modells Grandland außerhalb von Eisenach aufgebaut werden, um die jeweiligen Belegschaften unter Druck setzen zu können. Das Auto müsse exklusiv in Eisenach gebaut werden, ergänzte der gewerkschaftliche Unternehmensbeauftragte Rudolf Luz. Für zusätzliche Produktions- und Entwicklungskapazitäten gebe es keinen Bedarf.

Die frühere General-Motors-Tochter Opel war 2017 von der Peugeot-Mutter PSA übernommen worden. Diese wiederum ist zu Jahresbeginn mit Fiat-Chrysler zum Stellantis-Konzern mit Sitz in Amsterdam fusioniert. Das Unternehmen ist der viertgrößte Autohersteller der Welt und wird vom früheren PSA-Chef Carlos Tavares geführt. Bei dem harten Sanierungskurs für die einzige deutsche Marke Opel hat die IG Metall einen Kündigungsschutz bis Juli 2025 für die verbliebenen Beschäftigten vereinbart. Für den 29. Oktober hat die IG Metall Protestaktionen angekündigt. (apa/red)