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Mladá Boleslav nimmt neue Lackieranlage in Betrieb

Skoda Auto hat in seinem tschechischen Stammwerk eine neue Lackierei eröffnet.

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Skoda hat gestern eine neue Lackiererei im Stammwerk Mladá Boleslav eröffnet. Künftig erhalten hier bis zu 168.000 Karosserien pro Jahr ihren Farbauftrag, wodurch die gesamte Lackierkapazität des Werks auf jährlich 812.000 Einheiten steigt. In den Neubau hat Skoda 214,5 Millionen Euro investiert und schafft dort mehr als 650 neue Arbeitsplätze. 

Die Anlage gehört zu den modernsten und umweltfreundlichsten ihrer Art in Europa. Roboter übernehmen zahlreiche Arbeitsschritte. "Für uns ist sie ein wichtiger Baustein unseres Wachstumskurses, den wir im Rahmen unserer Strategie 2025 konsequent umsetzen", erklärt Skoda-Vorstandsvorsitzender Bernhard Maier. 

Zu den hochmodernen Lackiertechniken zählt zum Beispiel das vollautonome Transportsystem für die einzelnen Karosserien während der Vorbehandlung und Grundierung. Dieses Fördersystem erlaubt es, die Prozessparameter für jedes Fahrzeug individuell zu wählen.

In herkömmlichen Lackierstraßen können wegen des Transports der Karosserien an Kettenförderbändern keine solchen maßgeschneiderten Einstellungen vorgenommen werden. Sämtliche Daten des Produktionsprozesses werden elektronisch mit der Identität des jeweiligen Fahrzeugs abgeglichen und per Datenfunk an die individuellen Arbeitsstationen weitergegeben, die auf dieser Basis die jeweils passenden Materialien anwenden. 

Auto, Industrie, Lackiererei © Skoda Auto Deutschland GmbH

Bei der Auswahl der gesamten technischen Ausstattung wurde besonderen Wert auf einen geringen Energieverbrauch gelegt. Ein Beispiel ist die einzigartige Trocknungstechnologie der neuen Lackiererei: Um beim Einbrennen der verschiedenen Lackschichten die Temperaturunterschiede zwischen massiven, hochfesten Karosseriekomponenten und leichten Blechen auszugleichen, blasen zentrale Wärmetauscher heiße Luft in bestimmte Bereiche. Auf diese Weise reduziert Skoda den Energieaufwand beim Trocknen der Lackschichten um bis zu 20 Prozent. 

Ein innovatives Nassbürstensystem zur Reinigung der Karosserien ermöglicht es, Dichtmittel und Grundierung gleichzeitig einzubrennen - damit spart die Anlage einen ganzen Trocknungsschritt und damit das Aufwärmen und Abkühlen der Karosserie. Die Lackierroboter besitzen in ihrem Ausleger eine innovative siebte Rotationsachse.Durch diese Konfiguration kann ein Roboter Karosserien mit einer Gesamtoberfläche von bis zu 108 Quadratmetern beschichten. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Oberfläche aktueller Pkw-Modelle beträgt 88 Quadratmeter.

Neue Lackieranlage setzt Maßstäbe bei Umweltverträglichkeit

Genau wie in bisherigen Lackierstraßen verwendet Skoda Auto in der neuen Anlage bis auf die abschließende Klarlackschicht ausschließlich wasserlösliche Beschichtungen. In der neuen Lackiererei besteht diese oberste Schicht allerdings zu 55 Prozent aus Feststoffen. Durch diese Zusammensetzung sind pro Fahrzeug rund 210 Gramm weniger Lösemittel erforderlich und die benötigte Klarlackmenge sinkt um 17 Prozent auf zwei Kilogramm pro Fahrzeug.

Die insgesamt fünf Lackschichten eines Skoda ergeben am Ende eine Beschichtung von circa 0,1 Millimeter Stärke. Die Lackiererei kann insgesamt 17 verschiedene Farbtöne produzieren, viele davon mit Metallic- oder Perleffekt. Die neuen Technologien leisten zudem einen wesentlichen Beitrag zur Umweltfreundlichkeit. Lackierrückstände wie Farbpartikel werden durch eine sogenannte Trockenabscheidung absorbiert.

Bei diesem Verfahren ersetzt gemahlener Kalkstein das bislang verwendete Wasser - so fällt praktisch keinerlei Lackschlamm als Abfall an. Das Abluftreinigungssystem mit gemahlenem Kalkstein reduziert die Farbreste um mehr als zwei Kilogramm pro Karosserie.

Das verwendete Kalksteinmehl und die darin aufgefangene Farbe werden anschließend thermisch verwertet und zur Rauchgasentschwefelung des Heizwerks der Tochtergesellschaft Sko-Energo verwendet. Durch diese Technologie recycelt das Werk bis zu 80 Prozent der in den Spritzkabinen verwendeten Luft, was den Energieverbrauch für die Aufbereitung der Ansaugluft erheblich reduziert.

Darüber hinaus verfügt die neue Lackiererei über ein System, das sämtliche Emissionen thermisch beseitigt. Die produktionsbezogenen Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen (Volatile Organic Compounds, kurz VOC) während des Lackierprozesses konnte Skoda um 36 Prozent reduzieren.

Mit 35 Metern Höhe und sieben Geschossen bildet die neue Lackiererei jetzt das höchste Gebäude des Stammwerks in Mladá Boleslav. Eine Länge von 276 Metern und eine seitliche Ausdehnung von 60 bis 140 Metern ergeben eine Grundfläche von 25.094 Quadratmetern - etwa so viel wie drei Fußballfelder. Das umbaute Volumen entspricht mit 828.058 Kubikmetern dem Fassungsvermögen von 265 olympischen Schwimmbecken.

https://www.youtube.com/watch?v=G0D9tM7exAM