OTP statt "Extended Vehicle"

VFT pocht auf Datenhoheit für Fahrzeugbesitzer

Der Verband der freien KFZ-Teile-Fachhändler (VFT) fordert gemeinsam mit der FIGIEFA und zehn anderen Verbänden die EU-Kommission auf, eine entsprechende Gesetzgebung zu schaffen, um zukünftig den Fernzugriff von Daten und Funktionen von Fahrzeugen für die freien Kfz-Teilefachhändler zu garantieren. Damit hätten die Konsumenten die Wahl, unter unterschiedlichen Anbietern im Kfz-Teilemarkt und auch unter den freien Werkstätten zu wählen.

Von

VFT-Obmann Walter Birner

Der VFT, übrigens auch AUTOSERVICE-Kooperationspartner, fordert konkret die Schaffung folgender Voraussetzungen:

  • Unabhängiger und direkter Echtzeitzugriff auf die im Fahrzeug generierten Daten ohne Beeinflussung der Fahrzeughersteller
  • Bidirektionale Kommunikation mit dem Fahrzeug und seinen Funktionen unabhängig vom Fahrzeughersteller
  • Sichere und unabhängige Ferninteraktion mit dem Fahrer über die fahrzeuginternen Funktionen der Mensch-Maschine-Schnittstelle (zum Beispiel über das Dashboard oder Sprachbefehle)
  • Unabhängige Software im Fahrzeug, die Onboard-Computing-Funktionen nutzt, um alle dynamisch erzeugten Daten zu verarbeiten

Aktuelle Untersuchungen hätten dem VFT zufolge ergeben, dass diese geforderten Funktionen in dem von den Fahrzeugherstellern (OEM) vorgeschlagenen Zugangsmodell („Extended Vehicle“), welches die gesamte Kommunikation für den Datenfernzugriff über den eigenen Backend-Server des OEM kanalisiert, nicht ausreichend berücksichtigt werden. Aus diesem Grund spricht sich der VFT, weitere Verbände und Unternehmen aus dem freien Kfz-Teile-Markt (IAM) für eine fahrzeuginterne, interoperable, standardisierte, sichere und offen zugängliche (Telematik-)Plattform (OTP) aus. Deren Sicherheitsarchitektur würde auch die höchsten Standards in Bezug auf Cybersicherheit und Datenschutz unterstützen.

In zwei kürzlich verabschiedeten Entschließungen hat das Europäische Parlament die Europäische Kommission aufgefordert, legislative Maßnahmen zu ergreifen, um einen fairen, sicheren, Echtzeit- und technologieneutralen Zugang zu Fahrzeugdaten für Drittanbieter zu gewährleisten. „Die derzeitigen Marktbedingungen sind für einen wirksamen Wettbewerb oder die Schaffung innovativer und für die Verbraucher erschwinglicher Dienste nicht förderlich. Daher muss der EU-Rechtsrahmen aktualisiert werden, um sowohl die Innovation zu fördern als auch sicherzustellen, dass diese neuen Dienste den Verbrauchern wirklich zugänglich sind“, fordert VFT-Obmann Walter Birner.