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AVL Ditest und Dekra wollen "Sprache" der Steuergeräte besser verstehen

Grazer Know-How unterstützt Fachleute von Dekra dabei, abgasrelevante Daten effizienter auszulesen und nebenbei noch illegale Manipulationen aufzudecken.

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Gemeinsam mit Dekra haben Spezialisten von AVL DiTest eine Software entwickelt, um die "Sprache" von Steuergeräten besser zu verstehen. "Die große Herausforderung dabei war, die Informationsflut aus den Steuergeräten zu kanalisieren, zusammenzuführen und zu interpretieren“, erläutert Andreas Wittig, Diagnose-Experte von AVL DiTest. Der Grund für die Entwicklung liegt auf der Hand: Nur abgasrelevante Daten sind in den Fahrzeugen heute standardisiert, alles andere nicht. 

"Die Kunst ist, die unterschiedlichen ‚Sprachen‘ der Steuergeräte zu verstehen und aus den Informationen die richtigen Rückschlüsse zu ziehen", betont Wittig. An diesem Punkt setzte die aufwändige Entwicklungsarbeit an. Es ging darum, das Know-how aufzubauen, was in einem Fahrzeug bei bestimmten Manipulationen vor sich geht. „Wir mussten bei der Entwicklung den Zusammenhängen auf die Spur kommen, nach der Devise: Wenn A und B passieren, muss C die Folge sein.“ 

Manipulierte Fahrzeuge aus dem Verkehr ziehen 

Unter anderem lässt sich mit dem Verfahren etwa überprüfen, ob der Kilometerstand eines Fahrzeugs plausibel ist. „Das ist aber nur ein Aspekt des Themas“, erklärt Michael Tziatzios, Leiter Gebrauchtwagenmanagement bei Dekra Automobil. „Es kann auch darum gehen, die Plausibilität einer Fahrzeug-Identifikations-Nummer (FIN) zu prüfen. Gerade bei gestohlenen Fahrzeugen wird hier oft zu manipulieren versucht.“ Genauso können Hinweise auf eine Deaktivierung oder einen nicht fachgerechten Austausch von Steuergeräten gefunden werden. „Diese Arten von Manipulation können, zum Beispiel bei einem Airbag-Steuergerät, fatale Folgen haben.“

Mit der Steuergeräte-Diagnose hat Dekra unterschiedliche Zielgruppen im Auge. „Das beginnt etwa bei Leasinggesellschaften, die sich bei der Rückgabe von Fahrzeugen natürlich für solche Plausibilitäten interessieren, und geht über Flotten- und Fuhrparkbetreiber bis hin zu Autohäusern, für die beim Thema Inzahlungnahme natürlich solche Fragen eine Rolle spielen“, so Tziatzios. „Und auch für Privatkunden, die einen Gebrauchtwagen kaufen wollen, kann unsere neue Dienstleistung sicher interessant sein.“ 

Universelles Verfahren zur Steuergeräte-Diagnose 

Das neue Verfahren löst den bisherigen so genannten „System-Check“ als einer der drei Bestandteile des Dekra-Siegels für Gebrauchtfahrzeuge ab. Die Steuergeräte-Diagnose funktioniert unabhängig von der Fahrzeugmarke und bei allen Fahrzeugen mit nennenswertem Marktanteil. „Bei echten Exoten kann es natürlich schwierig werden“, erklärt Michael Tziatzios. „Ebenso bei sehr alten Fahrzeugen. Wir empfehlen die Steuergeräte-Diagnose für Fahrzeuge etwa ab Baujahr 2010.“ Der Hintergrund: Ältere Steuergeräte kommunizieren oft anders und speichern außerdem meist weniger Daten als die in neueren Autos.

Entscheidend ist für Michael Tziatzios: „Mit der neuen Steuergeräte-Diagnose bieten wir eine einfache, kostengünstige Möglichkeit, Hinweise auf Manipulationen zu bekommen. Wir stellen Auffälligkeiten fest, wir liefern Anhaltspunkte.“ So kann der Auftraggeber selbst entscheiden, ob er zum Beispiel ein analytisches Gutachten beauftragt, um rechtsverwertbare Erkenntnisse zu gewinnen. „Wir weisen den Kunden auf Indizien hin, so dass er eine fundierte Entscheidung zum weiteren Vorgehen treffen kann.“ 

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