Future Mobility

Batterien: Europas Strategie gegen die asiatische Vormacht

Für die Automobilhersteller, aber auch für die Kunden, steht viel auf dem Spiel. Derzeit fließen Milliardenbeträge in den Zukauf von Batterien für Elektroautos nach Asien. Für eine eigene Zellfertigung und Batterieherstellung soll nun ein europäisches Konsortium sorgen. Ein in Schweden ansässiges Start-up könnte zum größten Hersteller von Lithium-Ionen-Zellen in Europa avancieren.

Von

Computergrafik der Northvolt-Einrichtung nahe Skellefteå, Schweden. 

Unlängst gab der deutsche Volkswagen Konzern bekannt, gemeinsam mit dem schwedischen Batteriehersteller Northvolt, die Leitung eines europäischen Batterie-Konsortiums zu übernehmen. Der Hintergrund ist, dass sich mehrere europäische Unternehmen aus verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten zu einer „European Battery Union“ zusammenschließen, um dem asiatischen Markt bei der Herstellung von Traktionsbatterien die Stirn zu bieten.

Bisher sind Länder wie China (CATL), Japan oder Südkorea (Samsung, LG Chem) konkurrenzlos und europäische Automobilhersteller, die auch Elektrofahrzeuge in ihrem Portfolio führen, auf asiatische Batteriezulieferer angewiesen. Doch es reicht mittlerweile nicht mehr, komplette Batterien – auch die Batteriezellen – auf europäischem Boden zu fertigen. Sie müssen auch „grün und sauber“ sein, um den ökologischen Fußabdruck gering zu halten.

Wie das am besten zu bewerkstelligen ist, ist eine zentrale Aufgabe des Konsortiums, an dem Partner aus Forschung und Industrie aus sieben EU-Mitgliedsstaaten beteiligt sind. Die umfassenden Forschungsarbeiten reichen vom Abbau von Rohstoffen, der Erforschung von Zelltechnologie und Zellfertigungsprozessen bis hin zum Recycling. Die Entwicklung und Bereitstellung von Anlagetechnologien ist ebenfalls Bestandteil der Forschungsaktivitäten, die eine nachhaltige, klimafreundliche und wettbewerbsfähige Batteriezellfertigung in der Europäischen Union ermöglichen sollen.

Deutsche Forschungsplattform gestartet

Im Center for Electrochemical Energy Storage Ulm und Karlsruhe (CELEST) entwickeln Forschende verschiedener Disziplinen hochleistungsfähige und umweltfreundliche Energiespeicher, die für ein Gelingen der Energiewende und für die klimafreundliche Elektromobilität dringend benötigt werden. Die bislang größte Forschungsplattform in Deutschland ist erst am 26. März gestartet. Die Gründungspartner sind das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Universität Ulm und das Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). 

„Effiziente Energiespeicher sind der Schlüssel für die Energieversorgung und die Mobilität der Zukunft“, betonte der deutsche Staatssekretär Christian Luft, Bundesministerium für Bildung und Forschung, bei den Eröffnungsfeierlichkeiten. Doch der Weg dorthin, wird alles andere als ein leichter. Genau genommen sind es gleich mehrere Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Batterien aus europäischer Produktion müssen einerseits effizient, mit einer hohen Speicherleistung aufwarten und für das Schnellladen taugen, andererseits aber kostengünstig in der Herstellung und für den Kunden sein.

Der Sicherheitsaspekt darf auch nicht zu kurz kommen, gab es bereits Medienberichten zufolge Fälle, wo die Traktionsbatterien von Tesla-Fahrzeugen oder jene eines Jaguar I-Pace in Brand gerieten. Antworten, wie all diese Faktoren zu bewerkstelligen sind, kann nur die Forschung liefern. Mit den Forschungsfeldern „Lithium-Ionen-Technologie“, „Energiespeicherung jenseits von Lithium“ sowie „Alternative Techniken zur elektrochemischen Energiespeicherung“ deckt die neue Forschungsplattform CELEST relevante Forschungsthemen der elektrochemischen Energiespeicherung ab. Dabei bündeln 29 Institute und 45 Arbeitsgruppen der Partnereinrichtungen ihre Kompetenzen - von der Grundlagenforschung über die praxisnahe Entwicklung bis zur Batterieproduktion.

© Northvolt

Batteriehersteller Northvolt will sich mit Asien anlegen

Genau genommen hält sich der schwedische Batteriehersteller, der nach dem Aufflammen des E-Mobilitätstrends vor vier Jahren ins Leben gerufen wurde, mit Unternehmensmeldungen zurück. Ihn und sein Vorhaben, Europas modernste und größte Batteriefabrik auf schwedischem Boden zu errichten, umweht etwas fast Geheimnisvolles.

Nahe der Stadt Skellefteå soll sie bis Ende 2020 entstehen, umgehend die Produktion aufnehmen, und nicht nur die in Europa vernachlässigten Lithium-Ionen-Zellen liefern, sondern gleich fertige Batteriepacks für Elektroautos und elektrische Nutzfahrzeuge. Ausgelegt ist die Batteriefabrik auf eine jährliche Zellproduktion von rund 32 GWh, die jedoch erst nach der absoluten Fertigstellung im Jahr 2023 vorliegen sollen. Das wäre annähernd das Niveau der von Tesla geplanten Gigafactory in der Wüste von Nevada.

Allerdings sind es gerade die Batteriezellen, die nach einem energieintensiven, chemischen Herstellungsprozess verlangen. Die Umgebung um Skellefteå im Norden Schwedens liefere laut Peter Carlsson jedenfalls billige erneuerbare Energie und zum anderen die notwendigen Ressourcen für Batterien wie Nickel, Kobalt und Lithium.

Große Herausforderung, große Chance 

Peter Carlsson ist einer beiden, nicht ganz fachfremden, Firmengründer. Früher arbeitete er als Führungskraft bei dem kalifornischen E-Autobauer Tesla, genauso wie sein Gründerkollege Paolo Cerutti. Einem Bericht der „Welt“ zufolge, war Carlsson Einkaufschef und Leiter der Lieferkette. Der 48-Jährige weiß um die Tücken Bescheid, die das Geschäft mit dem E-Auto mit sich bringen kann. „Die Elektrifizierung von Mobilität ist eine große Herausforderung. Aber sie bietet auch sehr, sehr große Chancen“, sagte Carlsson im Gespräch mit der „Welt“.

Northvolt noch als Start-up zu betiteln, ist nicht ganz falsch. Beschäftigt werden gerade einmal 200 Mitarbeiter, die meisten davon in einer kleinen Fabrik mit einem Forschungslabor und einer Testproduktion im schwedischen Västerås. Doch das Interesse anderer Unternehmen an Northvolt ist gut, und die Liste jener, die investieren wollen vorzeigbar. Autokonzerne wie VW, die Nutzfahrzeugsparte Scania oder BMW, hatten nicht nur schnell ihr Interesse angemeldet, sondern wollen auch finanzielle Mittel zuschießen, um Northvolt zu Größe zu verhelfen.

Mit den weiteren Plänen des Unternehmens sieht es jedenfalls gut aus. Im Oktober letzten Jahres kündigte Northvolt an, im polnischen Gdansk eine Einrichtung für Forschung und Entwicklung von Batteriemodulen einzurichten. Die fertigen Module sollen zum Beispiel die Energie für vollelektrische Minenfahrzeuge liefern. Und wer weiß, vielleicht wird Northvolt für Europa ja das, was Tesla für die USA ist. Ein visionäres Start-up, das es schnell zu monopolistischer Konzerngröße geschafft hat.

Folgen Sie dem Autor auf: @lukasklamert